UEFA Europameister von 1972, 1980 und 1996: Deutschland
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In der Anfangszeit war die UEFA Europameisterschaft für den deutschen Fußball eine Geschichte von mangelndem Interesse und einer Blamage. 1957 hatte sich die Europäische Fußball-Union (UEFA) entschieden nach dem Vorbild des kurz zuvor, aber schon sehr erfolgreichen Europapokals für die Vereine auch einen kontinentalen Wettbewerb für Nationalmannschaften einzuführen. Also wurde ein „Europapokal der Nationalmannschaften“ gegründet. In deutschen Landen aber argumentierte Sepp Herberger, der erfolgreiche Bundestrainer, einen solchen Wettstreit könnte man nicht gebrauchen. Deutschland war nach dem Sieg 1954 Weltmeister. Herberger glaubte, zusätzliche Wettbewerbsspiele wären nicht förderlich für seine Mannschaft. Deutschland nahm deswegen am ersten Wettbewerb, der in der Endrunde des Jahres 1960 gipfelte, nicht teil. Und auch beim zweiten „Europapokal der Länder“, der schließlich 1964 in Spanien ausgespielt wurde, verzichtete der Deutsche Fußball-Bund (DFB). |
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![]() Helmut Schön (links) bejubelt den WM-Sieg 1974. Zwei Jahre zuvor wurde der Trainer mit dem deutschen Team Europameister. Rechts sein Nachfolger Jupp Derwall. (Foto: Kunz/Augenklick) |
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Aller Anfang ist schwer, lautet ein deutsches Sprichwort. Die deutsche Mannschaft erfuhr dies in der Qualifikation zur Endrunde 1968. Der Wettbewerb trug inzwischen offiziell den Namen „Europameisterschaft“. Weil Deutschland kaum noch Gegner für die von Herberger bevorzugten Freundschaftsspiele gefunden hatte, hatte der DFB entschieden, nun doch an diesem Wettbewerb teilzunehmen, der zudem immer populärer geworden war. Helmut Schön hatte Herberger als Bundestrainer abgelöst. Er führte die deutsche Mannschaft also in die ersten UEFA EM-Qualifikationsspiele. In der Gruppe IV traf der Vizeweltmeister von 1966 auf Jugoslawien und Albanien. In dieser schmachvollen Geschichte – in Deutschland kennt sie jeder ältere Fußball-Freund – platzte mit einem 0:0 in Albanien im allerletzten Gruppenspiel der Traum der Deutschen, an der EM-Endrunde teilzunehmen. In der Gruppe setzte sich Jugoslawien durch, das gar nicht mehr damit gerechnet hatten, aber von jenem torlosen Remis in Tirana profitierte und in Italien gegen den UEFA EM-Gastgeber in das Endspiel einzog und dort ein Wiederholungsfinale erzwang, in dem es schließlich den „Azzurri“ unterlag. Zweimal nicht teilgenommen, einmal blamabel ausgeschieden – nun begann die Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs auf Europaebene. Danach war das DFB-Team in fünf Endspielen vertreten. Dreimal gewann es den Titel: 1972, 1980 und 1996. Zweimal, 1976 und 1992, musste es sich mit der Vize-UEFA Europameisterschaft zufrieden geben. Keine Mannschaft kann größere Erfolge bei der UEFA Europameisterschaft aufweisen als die deutsche, die zudem sieben Mal in das FIFA WM-Finale einzog und dreimal Weltmeister wurde. Die Mannschaft, die 1972 den ersten UEFA EM-Triumph für den DFB einfuhr, schrieb Geschichte. |
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![]() Jupp Derwall (links) war Trainer der deutschen Mannschaft beim EM-Finalsieg 1980, Berti Vogts (rechts) führte das deutsche Team 16 Jahre später auf Europas Thron. (Foto: Kunz/Augenklick) |
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In der Qualifikationsgruppe ließ das Team, das bei der FIFA WM 1970 Dritter geworden war, Polen, die Türkei und Albanien hinter sich. Im Viertelfinale kam es zu einer Neuauflage des FIFA WM-Finales von 1966 gegen England. Mit dem 3:1 am 29. April 1972 gelang den Deutschen der erste Sieg im Wembleystadion, mit dem 0:0 in Berlin zwei Wochen später war die Teilnahme an der Endrunde in Belgien vom 14. bis 18. Juni perfekt. Im Halbfinale in Antwerpen bezwang die Mannschaft Gastgeber Belgien mit 2:1, im Finale traf sie auf die Sowjetunion. Wie schon in einigen Spielen zuvor bot die Mannschaft von Trainer Schön an diesem 18. Juni in Brüssel einen Fußball, der bis heute als der attraktivste, den je ein DFB-Team zelebriert hat, beschrieben wird. Die UdSSR war beim 0:3 (0:1) mit Toren von Gerd Müller (2) und Herbert Wimmer chancenlos. Die weitgehend aus den beiden Spielerblöcken von Bayern München und Borussia Mönchengladbach bestehende Formation funktionierte glänzend: Sepp Maier, Horst-Dieter Höttges, Georg Schwarzenbeck, Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Uli Hoeneß, Günter Netzer, Herbert Wimmer, Jupp Heynckes, Gerd Müller und Erwin Kremers – diese Elf zeigte Traum-Fußball. Zwei Jahre später, mit einer veränderten Formation, wurde Deutschland im eigenen Land Weltmeister. 1976 unterlag der UEFA EM-Titelverteidiger im Finale von Belgrad der Tschechoslowakei nach einem 2:2 nach Verlängerung mit 3:5 im Elfmeterschießen. Die Qualifikation zur UEFA EM 1980 nahm das DFB-Team unter der Leitung des Schön-Nachfolgers Jupp Derwall auf. In einer Gruppe mit der Türkei, Wales und Malta qualifizierte sich die Mannschaft für die Endrunde in Italien mit erstmals acht Teilnehmern. In der Gruppe 1 gelang mit dem 1:0 gegen die CSSR eine Revanche für das Finale 1976, die Niederlande wurde mit 3:2 bezwungen (der 18-jährige Lothar Matthäus gab sein Debüt), das 0:0 gegen Griechenland reichte für den Finaleinzug gegen Belgien. Am 22. Juni 1980 wurde Deutschland in Rom mit dem 2:1 gegen die „Roten Teufel“ nach zwei Toren von Horst Hrubesch als erste Mannschaft zum zweiten Mal UEFA Europameister. Zwölf Jahre mussten die Deutschen auf ihre vierte Endspielteilnahme warten. 1984 schieden sie in den Gruppenspielen der Endrunde aus, 1988 im eigenen Land scheiterten sie im Halbfinale an den Niederlanden, aber 1992 in Schweden stand Deutschland mit Trainer Berti Vogts trotz eher durchschnittlicher Leistungen wieder im Finale. In Göteborg unterlag der Weltmeister von 1990 mit 0:2 gegen Dänemark. Nachdem auch die FIFA WM 1994 in den USA enttäuschend verlief, hatte das Team erhebliche Mühe sich in den Gruppenspielen gemeinsam mit Bulgarien für die UEFA EM-Endrunde 1996 in England, die erstmals mit 16 Teams ausgetragen wurde, zu qualifizieren. |
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![]() Oliver Bierhoff köpft im EM-Finale 1996 das 1:1 und erzwingt die Verlängerung gegen Tschechien. Die Kollegen Kuntz, Klinsmann und Babbel (von links) schauen zu. (Foto: Kunz/Augenklick) |
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Das Stadion „Old Trafford“ wurde für Deutschland zur Festung. Nach einem 2:0 gegen Tschechien, einem 3:0 gegen Russland und einem 0:0 gegen Italien wurde in Manchester im Viertelfinale Kroatien mit 2:1 bezwungen. Das Verletzungspech war enorm, Trainer Vogts prägte den Satz „Der Star ist die Mannschaft“. Mit enormer Willenskraft und vorbildlichem Teamgeist wurde Gastgeber England in London im Halbfinale bezwungen. Nach 120 Minuten stand es in Wembley 1:1, das Elfmeterschießen entschieden die Deutschen mit 6:5 für sich. Im Finale am 30. Juni 1996 traf das DFB-Team erneut auf Tschechien, das durch Patrick Berger in der zweiten Halbzeit in Führung ging. Der eingewechselte Oliver Bierhoff erzwang mit einem Treffer zum 1:1 die Verlängerung. Dort gelang dem Stürmer des AC Mailand das Golden Goal zum 2:1, Deutschland war zum dritten Mal UEFA Europameister. Es war bis heute der letzte Titelgewinn für die deutsche Mannschaft, die bei den Europameisterschaften 2000 und 2004 jeweils nach den Gruppenspielen der Endrunde ausschied. Das Team von 1996 unter der Führung von Kapitän Jürgen Klinsmann vollbrachte eine großartige Leistung. Libero Matthias Sammer wurde wenige Monate später zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Die Mannschaften, mit denen Deutschland, die Europameisterschaften gewann. 1972: Maier – Höttges, Schwarzenbeck, Beckenbauer, Breitner – Hoeneß, Netzer, Wimmer – Heynckes, G. Müller, E. Kremers. – Trainer: Schön 1980: Schumacher – Kaltz, Stielike, Kh. Förster, Dietz – Schuster, Briegel (Cullmann), H. Müller, Rummenigge, Hrubesch, K. Allofs. – Trainer: Derwall 1996: Köpke – Sammer – Strunz, Babbel, Helmer, Ziege – Eilts (Bode), Scholl (Bierhoff), Häßler – Klinsmann, Kuntz.- Trainer: Vogts |


