UEFA Europameister 1976: CSSR
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Der erste Eindruck kann durchaus täuschen. In einigen Büchern zu den Fußball-UEFA Europameisterschaften gibt es aus dem Jahre 1976 ein Foto, welches Spieler in deutschen Trikots mit dem Bundes-Adler in Siegerposen zeigt. Die erste Reaktion von Betrachtern könnte also dahin gehen, dass sie die deutsche Nationalmannschaft für den Gewinner der UEFA EM 1976 halten. Schließlich ist Deutschland bis heute gewissermaßen „Rekord-Europameister“. Doch die Wahrheit, die sich hinter dem Foto versteckt, lautet: Hier handelt es sich um ein trojanisches Pferd, in den deutschen Trikots stecken in Wirklichkeit keine deutschen Spieler drin. |
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![]() Drei Spieler der Tschechoslowakei, Ondrus, Dobias und Nehuda (von links), mit dem UEFA Europameister-Pokal. Sie waren getarnt mit den Trikots der unterlegenen Deutschen. (Foto: Horstmüller) |
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Es sind die Spieler aus der Tschechoslowakei gewesen, die am Abend des 20. Juni 176 in Belgrad in den Hemden von Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Uli Hoeneß oder Gerd Müller steckten. Nach dem Trikottausch auf dem Platz, der inzwischen verboten ist, jubelten die Mitglieder des CSSR-Teams über den nicht ganz erwarteten Erfolg gegen die Deutschen, den entthronten Europameister von 1972 und amtierenden FIFA Weltmeister von 1974. Die Männer aus Prag und Bratislava trugen im Stadion „Cverna zvezda“ die weiß-schwarzen Trikots wie einen Skalp als Symbol eines außergewöhnlichen Erfolgs der eigenen Verbandsgeschichte. Die Tschechoslowakei hatte den ersten großen Titel errungen. Die CSSR, die sozialistische Republik, bestehend aus Tschechien und der Slowakei, hatte Deutschland gewissermaßen „ausgezogen“. Nach 120 Minuten hatte es 2:2 gestanden, ebenso wie nach 90 Minuten. Im Elfmeterschießen hatte sich das CSSR-Team mit 5:3 durchgesetzt. Im Stile des „braven Soldaten Schwejk“ hatte ein Mann namens Antonin Panenka mit einem Lausbuben-Schuss in die Mitte des Tores den Münchner Torwart Josef „Sepp“ Maier düpiert. Das dreiste Bubenstück war die Entscheidung im Spiel. Denn kurz zuvor hatte Weltmeister Uli Hoeneß sich einen Schuss in die Wolken des Belgrader Abendhimmels geleistet. |
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![]() Antonin Panenka bei seinem legendären Elfmeter gegen Sepp Maier, der der CSSR-Auswahl 1976 in Belgrad gegen Deutschland den UEFA EM-Titel einbrachte. (Foto: Horstmüller) |
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In der Summe machte dies die Tschechoslowakei zum Titelträger. Die Baumeister dieser erfolgreichen Mannschaft: Vaclav Jezek und Dr. Jozef Venglos. Der eine war Fußball-Lehrer aus Prag, der andere aus Bratislava. So sah am Ende dann auch das Team aus. Die eine Hälfte der Mannschaft kam aus der tschechischen Hauptstadt, die andere aus der slowakischen Metropole. Mittlerweile hat sich die CSSR nach der politischen Wende in Europa in zwei Länder mit zwei Fußballverbänden geteilt. Das Kuriosum an Fußball-Lehrer Jezek: Er spielte nie für größere Klubs und auch nie in der 1. Liga. Seine Stationen waren Slavia Banská Bystrica, SK Jaroměř, SK Dvůr Králové, Spartak Úpice, Spartak Hradec Králové, Střela Milovice, Dukla Brno und Tatran Liberec. In seiner Vita als Trainer sieht das aber ganz anders aus: Er begann als Jugendtrainer bei Tatran Liberec. Von 1963 bis 1969 war er Coach bei Sparta Prag und gewann 1965 und 1967 die Meisterschaft, 1964 den nationalen Pokal und den Mitropapokal. Später betreute er von 1969 bis 1972 die Mannschaft von ADO Den Haag. Dann wurde er Trainer der Tschechoslowakei. 25 Jahre nach dem Triumph gegen die Deutschen wurde Ježek 2001 in Tschechien zum Trainer des 20. Jahrhunderts gewählt. Jezeks UEFA Europameister-Elf bestach vor allem durch Leidenschaft und Geschlossenheit, durch Teamgeist und hohe Moral, Kampfgeist und technischem Feinschliff. Die herausragenden Fußballer dieses Teams waren Torwart Ivo Viktor, Abwehrstratege und Kapitän Anton Ondrus, Mittelfeldmotor Antonin Panenka sowie Stürmer Zdenek Nehoda. Es waren Spieler, die ausgezeichnet in die Chronik des durchaus erfolgreichen gesamten tschechoslowakischen Fußballs passten. Denn der Fußball zwischen Prag und Bratislava darf auf keinen Fall nur auf diesen großen UEFA EM-Erfolg reduziert werden. 1960 und 1980 belegte die CSSR jeweils den dritter Platz. Bei sechs FIFA WM-Teilnahmen erreichte die gemeinsame Auswahl der Tschechen und Slowaken zweimal, 1934 und 1962, die Vize-Weltmeisterschaft. Namen wie Frantisek Planicka, Oldrich Nejedly, Pepi Bican oder Josef Masopust stehen auch heute noch für den Fußball zwischen Moldau und Donau. Dazu passt: Dr. Jozef Venglos, 1976 rechte Hand von Trainer Jezek, ist bis heute einer der anerkanntesten Fußball-Lehrer der Welt und Mitglied der Technischen Kommission des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA). Zurück zum Abend des größten Triumphes: Wer das Bild der vermeintlichen „deutschen“ Sieger“ von 1976 einmal genauer betrachtet stellt fest, dass ausgerechnet Elfmeter-Held Panenka sein Trikot nicht getauscht hatte. Er behielt das rote Hemd mit dem Löwenkopf an. Für ihn schien das CSSR-Jersey eine wichtigere Trophäe zu sein als ein Trikot mit dem deutschen Adler. Sein listiges Tor vom Strafstoßpunkt jedenfalls ging in die Fußball-Geschichte ein, nicht nur, weil es den größten Erfolg des tschechisch-slowakischen Fußballs besiegelte. Mit folgender Mannschaft gewann die CSSR 1968 den UEFA EM-Titel gegen Deutschland: Viktor – Pivarnik, Ondrus, Capkovic, Gögh – Dobias (Vesely), Panenka, Modr – Masny, Svehlik (Jurkemik), Nehoda. |

