April 2008: Debakel statt UEFA EM-Euphorie für die Schweiz
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Die Vorfreude war groß, die Feierstimmung ausgelassen, rund um den St.Jakobs-Park verteilten Sponsoren des Schweizer Fußball-Verbandes (SFV) tausende Fahnen und Flaggenumhänge. Die Arena in Basel präsentierte sich in rot und weiß, das weiße Schweizer Kreis auf rotem Grund war allgegenwärtig. Der Abend begann als schöner, festlicher Vorgeschmack auf den 7. Juni, jenen Samstag, wenn die Schweizer Nationalmannschaft die UEFA EURO 2008™ mit der Partie gegen Tschechien eröffnet. Der Absturz, der sich anschloss, war jäh und brutal. |
![]() Die Kapitäne im Duell: Alex Frei (links) spielte erstmals seit einem Jahr wieder für die Schweiz, Michael Ballack gab sein Comeback für Deutschland im Februar 2008. (Foto: GES/Augenklick) |
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Mit dem 0:4 (0:1) gegen Deutschland wurden die Hoffnungen, nach der Krise im Jahr 2007 eine neue Euphorie für die UEFA EURO 2008™ zu entfachen, zerstört. Die Stimmung im Schweizer Fußball ist nach dem Debakel der höchsten Heimniederlage seit 1984 ähnlich wie in Deutschland im März 2006 nach dem 1:3 in Italien. Die Vorfreudekampagne kam nicht auf Touren, die Schweizer inklusive Nationaltrainer Köbi Kuhn zweifelten daran, dass ihr bei der FIFA WM 2006™ ins Achtelfinale vorgedrungenes Team die UEFA EM-Gruppenspiele gegen Tschechien, Portugal und die Türkei überstehen kann. „Wir waren dem Gegner in fast allen Belangen unterlegen. Es gibt nichts schön zu reden. Wir haben uns wirklich ein bisschen amateurhaft angestellt“, sagte Kuhn. Auf Fragen nach den Gründen gingen dem 64-Jährigen schließlich die Worte aus. Hilflos, wie seine Mannschaft vor allem in der zweiten Halbzeit agiert hatte, wirkte der Nationalcoach, der nach dem UEFA EM-Turnier von Ottmar Hitzfeld abgelöst wird. Kuhn, der nach dem Zuschlag der UEFA EURO 2008™ an Österreich und die Schweiz vor einigen Jahren forsch mitgeteilt hatte, seine Mannschaft strebe den UEFA EM-Titel an, versuchte sich nicht mit Entschuldigungen. Seine junge Mannschaft, in der wichtige, erfahrene Leistungsträger wegen Verletzungen fehlten (Müller, Magnin, Streller) oder nach langen Pausen (Frei) noch nicht in Form waren, war wie das österreichische Team im Februar an der Cleverness der konterstarken Deutschen und deren physischer Überlegenheit gescheitert. „Das Resultat war ein bisschen zu deutlich, das haben wir nicht verdient“, sagte Tranquillo Barnetta. |
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„Bis zum 0:2 haben wir ein ordentliches Spiel gemacht, wir hatten auch unsere Möglichkeiten“, erklärte der Mittelfeldspieler aus Leverkusen. Ausgerechnet ihm, zuvor in starker Verfassung, unterlief wie dem Wolfsburger Torwart Diego Benaglio vor dem 0:1 ein krasser Fehler vor dem zweiten Gegentor. „Wir werden jetzt nicht aufgeben und uns bei der UEFA EURO ganz anders präsentieren“, sagte Barnetta. Mit Sicherheit sind die Schweizer steigerungsfähig, aber die krasse Abfuhr im Basler Stadion, das schon vor der UEFA EURO 2008™ zu einer Festung werden sollte, traf die Eidgenossen ins Mark. |
![]() Einen beinharten Luftkampf liefern sich der Schweizer Torwart Diego Benaglio (links) und der deutsche Kapitän Michael Ballack (rechts), dazwischen Christoph Spycher. (Foto: GES/Augenklick) |
![]() Ein Laufduell zu dritt um den Ball: Tranquillo Barnetta (rechts) liegt vor seinem Schweizer Teamgefährten Valon Behrami und dem Deutschen Bastian Schweinsteiger. (Foto: GES/Augenklick) |
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Die Deutschen sind ein besonderer Gegner für Schweizer Fußballer, die schnell in Ehrfurcht erstarren vor den Kickern aus dem großen Nachbarland im Norden. Niederlagen findet man irgendwie normal, es war die 16. im 18. Spiel seit dem letzten Sieg im Jahr 1956. Doch dass so viele Fragezeichen aufgeworfen wurden mit der Fortsetzung der Misserfolgsserie nach einem 0:1 gegen die USA, dem 0:1 gegen Nigeria und 1:2 in England löste die große Ernüchterung aus. Als Tiefpunkt seit der FIFA WM 2006™, als in Köln beim Elfmeterschießen kein Ball ins Tor der Ukraine ging, wurde die Partie bezeichnet. „0:4 gegen Deutschland, null Diskussionen über den Ausgang der Partie, immer mehr Fragezeichen, unzählige Baustellen, Ratlosigkeit und zuletzt die Demaskierung“, schrieb die Neue Zürcher Zeitung. Die deutschen Fans sangen höhnisch und ein bisschen doppeldeutig: „Ihr seid nur ein Käse-Lieferant.“ Der renommierte „Tagesanzeiger“ aus Zürich resümierte trotz einer gewissen Rest-Hoffnung: „Aber allen, die gestern die Schweizer sahen, muss es bange werden um diesen 7. Juni und die EM.“ Joachim Löw spendete ein bisschen Trost. Die Schweiz könne es viel besser. Der deutsche Bundestrainer weiß, dass ein Team aus einem Leistungstief im März bis zum Turnierstart im Juni herauskommen kann. Noch zwei Testspiele wird das SFV-Team vor dem UEFA EM-Turnier bestreiten. Am 24. Mai ist in Lugano die Slowakei der Gegner, am 30. Mai folgt in St. Gallen der letzte Aufgalopp vor dem EURO-Start gegen Liechtenstein. Kuhn bleibt nicht mehr viel Zeit, sein Team zu festigen. Nach der Niederlage gegen Deutschland wurde recht hart von den Medien kritisiert, dass er wieder einmal eine Systemumstellung vorgenommen hatte. Im Sturm stellte Kuhn Eren Derdiyok (2. Länderspiel/19 Jahre) und nicht Blaise Nkufo (15/32) an die Seite von Kapitän Alexander Frei (57/28), der erstmals seit einem Jahr wieder dabei war. Im Mittelfeld musste Barnetta (32/22), vorher meist links eingesetzt, diesmal ins offensive Zentrum hinter die beiden Spitzen. |
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![]() Drei Spieler, die Trainer Jakob Kuhn erst in den letzten Spielen für die Schweiz berief, beim Aufwärmtraining: Gelson Fernandes, Mario Eggimann, Eren Derdiyok (von links). (Foto: GES/Augenklick) |
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Mit Valon Behrami (14/22), Gelson Fernandes (6/21) und Gökhan Inler (15/23) war das Mittelfeld sehr jung und bis auf Barnetta auch unerfahren besetzt. Auch Abwehrreihe mit Stephan Lichtsteiner (9/23), Philippe Senderos (26/23), Mario Eggimann (5/27) und Christoph Spycher (38/29) hatte in dieser Formation noch nie zusammengespielt. In der ersten Halbzeit boten die Schweizer eine sehr ordentliche Leistung, aber die körperlich deutlich überlegenen Deutschen nutzten den ersten Fehler von Benaglio zur Führung durch Miroslav Klose. Und im zweiten Durchgang nahmen sie mit Toren von zwei Mario Gomez und einmal Lukas Podolski die Schweizer Abwehr dreimal gnadenlos auseinander, wobei die Gäste noch mehr Torchancen hatten. Dass Kuhn sechs Wechsel in der zweiten Halbzeit vornahm, löste keine Stabilisation aus. „Eine Nati zum Heulen. Wir sind nicht EM-tauglich“, lautete die Überschrift beim Boulevardblatt „Blick“. |
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