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Februar 2008: Schweiz gewann bei Niederlage in England neuen Torwart und neuen Torjäger

Seit dem Juni 2001 ist Jakob Kuhn Trainer der Nationalmannschaft der Schweiz. Der Aufschwung, den die „Nati“ unter der Führung des 64-Jährigen nahm, ist bekannt. Deswegen fällt eine weniger positive Serie direkt auf. Die Schweiz verlor zum Jahresauftakt das erste Testspiel in Hinblick auf die UEFA EURO 2008™ in London mit 1:2 (0:1). Es war die dritte Niederlage hintereinander nach den beiden 0:1-Resultaten gegen Nigeria im November und gegen die USA im Oktober. Drei Spiele in Folge hatte das Team des Schweizerischen Fußballverbandes (SFV) in der Ära von „Köbi“ Kuhn zuvor noch nicht verloren. Aber nach dem nicht optimalen Start in das Jahr, das mit den Spielen der UEFA Europameisterschaft im eigenen Land ab dem 7. Juni 2008 zum vielleicht größten in der SFV-Historie werden soll, hielt sich die Unzufriedenheit in Grenzen.

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Diego Benaglio hat es geschafft. Der 24 Jahre alte Torwart des VfL Wolfsburg ist die neue Nummer eins der Schweizer „Nati“. (Foto: Firo/Augenklick)


„Mit unserer Leistung bin ich sehr zufrieden. Ich hätte mir natürlich ein besseres Resultat gewünscht. Ich darf aber der ganzen Mannschaft ein Kompliment machen“, sagte Kuhn nach dem Auftritt im neuen Wembley-Stadion vor 86 857 Zuschauern, bei dem der Italiener Fabio Capello sein Trainerdebüt beim englischen Nationalteam feierte. Auch auf Seite der Eidgenossen gab es wichtige und schöne Neuigkeiten: Die Torwartfrage scheint entschieden. Diego Benaglio erhielt für den Test gegen England, das sich bekanntlich nicht für die UEFA EURO 2008™ qualifizieren konnte, das Vertrauen. Und der 24 Jahre alte Zürcher zeigte eine hervorragende Leistung. Er hat nun eine herausragende Position, auch während des UEFA EM-Turniers als Nummer eins im Tor der Schweizer zu stehen. „Es war ein Entscheid auch mit Blick in die Zukunft“, begründete Kuhn schon vor dem Anpfiff seine Wahl von Benaglio, der den Vorzug erhielt vor Pascal Zuberbühler (Xamax Neuenburg) und Fabio Coltorti (Racing Santander). „Er ist ein hochtalentierter Goalie. Sein Charakter, seine Ruhe, seine positive Körpersprache sind für das Team ein Gewinn“, sagte Kuhn.

Benaglio bot mehrfach glänzende Paraden, unter anderem gegen Wayne Rooney (10.) und gegen Joe Cole (25./39.). Bei den Gegentoren von Jermaine Jenas (40.) und Shaun Wright-Phillips (58.) war er machtlos. „Ich wusste ja, dass Diego Benaglio ein guter Goalie ist“, erklärte Kuhn nach der Partie. Bereits zum Ende des Jahres 2007 begann der Coach seinen jüngsten Torhüter in der Rangfolge zu favorisieren. Dann wechselte Benaglio von Funchal Madeira in der portugiesischen Liga zudem in die deutsche Bundesliga zum VfL Wolfsburg. Felix Magath, sein ehemaliger Trainer beim VfB Stuttgart, suchte einen Nachfolger für Simon Jentzsch beim VfL. Benaglio schlug hervorragend ein. Beim Pokalsieg gegen Schalke 04 wehrte er im Penalty-Schießen einen Elfmeter ab, womit Wolfsburg gegen den Favoriten ins Viertelfinale einzog. Beim 1:0-Auswärtssieg der „Wölfe“ in Bielefeld wurde Benaglio erneut zum „Matchwinner“. Vier Tage später überzeugte er dann in Wembley.

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Im neuen Wembley-Stadion vor mehr als 86 000 Zuschauern lieferten die Schweizer den Engländern einen großen Kampf: Christoph Spycher (rechts) im Duell mit David Bentley. (Foto: Firo/Augenklick)


„Es war ein schönes und spezielles Spiel. Natürlich hätte ich lieber ein positives Resultat gehabt. Aber im Wembley zu spielen, ist ein besonderes Erlebnis. Über meine eigene Leistung spreche ich nicht gern, die sollen andere beurteilen“, sagte Benaglio nach dem Auftritt in der englischen Hauptstadt, der rund 19 Monate und acht Länderspiele nach seinem Debüt in der zweiten Halbzeit gegen China (4:1) stattfand. Nun darf er auch damit rechnen, beim nächsten Test im Heimspiel im Basler St.Jakobs-Park gegen Deutschland aufzulaufen. Das Rennen um die Nummer zwei im Team ist noch offen. Kuhn hofft, dass Zuberbühler, der während der FIFA WM 2006™ das Tor hütete, und Coltorti den klaren Trend pro Benaglio akzeptieren.

Es gab noch eine zweite bemerkenswerte Neuigkeit aus Sicht der Schweizer im Wembley-Stadion. Der kurz zuvor eingewechselte Nati-Debütant Eren Derdiyok erzielte in seinem ersten Länderspiel den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 (58.). Der 19-jährige Sohn türkischer Einwanderer hinterließ bei seinem 45-Minuten-Einstand einen insgesamt guten Eindruck. Und der für den FC Basel spielende Offensivspieler schaffte etwas, was noch nicht vielen Schweizern gelungen war: Erst fünf Nationalspieler des Landes hatten zuvor einen Treffer im Wembley-Stadion erzielt. Dies waren Toni Allemann, Karl Odermatt, Hans-Jörg Pfister, Adrian Knup und Kubilay Türkyilmaz.

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Eren Derdiyok vom FC Basel gab ein glänzendes Debüt in der Nationalelf der Schweiz. Beim 1:2 gegen England in London schoss der 19-Jährige das Tor der Eidgenossen. (Foto: Firo/Augenklick)


Tranquillo Barnetta von Bayer Leverkusen hatte Derdiyok mit einem idealen Pass bedient. Leider hielt die Freude über den Ausgleich nur vier Minuten. Dann führte der Gastgeber gegen die Schweizer, bei denen Philipp Degen, Djourou, Dzemaili, Frei, Magnin und Streller nach Verletzungen fehlten, wieder. „Eren Derdiyok hat bei uns auch in der U-21 schon einiges gezeigt. Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Das Tor war natürlich phantastisch. Es wäre schön gewesen, wenn es das Tor zumindest zum Unentschieden gewesen wäre“, kommentierte Kuhn die Premiere des Juniorenspielers, der selbst bescheiden und zurückhaltend reagierte. „Es war ein Schritt vorwärts in der Nati. Aber die Basis muss ich in Basel legen“, sagte er. Vor seinem guten Auftritt im A-Team hatte Derdiyok in neun U-19-Spielen der Schweiz zehnmal getroffen. In der U-21-Auswahl des Landes erzielte er sieben Tore in fünf Partien. Möglicherweise erhält er beim Duell gegen Deutschland am 26. März vor heimischem Publikum eine neue Chance. Vor allem aber hofft Kuhn mit vielen Schweizer Fans auf die Rückkehr von Torjäger Alex Frei, der in Dortmund wieder in den Anschluss findet.