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April 2008: Eine Niederlage als Drama: Österreich unterlag „Oranje“ mit 3:4

Die Pleite der österreichischen Nationalmannschaft im zweiten Testspiel des Jahres für die UEFA EURO 2008™ bekam eine historische Dimension. Das 3:4 (3:1) gegen die Niederlande stach in negativer Hinsicht hervor. Vor 50 Jahren hatte die Austria-Auswahl letztmals nach einer 3:0-Führung noch eine Partie verloren: Auch das Team aus Jugoslawien schaffte es 1958, ebenfalls in Wien, einen 0:3-Rückstand noch in einen 4:3-Sieg umzumünzen. Gut zehn Wochen vor dem Start der UEFA EURO 2008™ mit dem Duell gegen Kroatien schmerzte die Niederlage gegen den UEFA Europameister 1988 die Österreicher jedoch ungleich mehr als die damalige Pleite gegen die „Jugos“.

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Sebastian Prödl (Nr. 15) erzielt das 2:0 für Österreich. Kurz danach gelingt dem Verteidiger das 3:0, aber die Partie gegen die Niederlande wird mit 3:4 verloren. (Foto: Firo/Augenklick)


Österreichs Nationaltrainer Josef Hickersberger sagte nach einem wirklich dramatischen Fußball-Abend im Ernst-Happel-Stadion: „Ich bin wahnsinnig enttäuscht, weil ich die Auswirkung auf die Mannschaft spüre.“ Beim ersten Test in EURO-Jahr, am 6. Februar gegen Deutschland (0:3), hatte seine Mannschaft eine Stunde großartig aufgetrumpft, aber keine Treffer erzielt. Gegen die Niederländer spielte das Team erneut ausgezeichnet, schoss drei Tore durch Kapitän Andreas Ivanschitz (6.) und zweimal Sebastian Prödl (18., 35.), der in der nächsten Saison bei Werder Bremen spielen wird. Doch dann brach die Austria-Auswahl im Laufe des Spiels auseinander.

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Endlich Österreich-Tore! Sebastian Prödl erzielte das 2:0 gegen die Niederlande. Mit ihm jubeln Martin Harnik (links), Andreas Ivanschitz (rechts) und Roland Linz (oben). (Foto: Firo/Augenklick)

Jan Huntelaar (37.,) verkürzte vor der Halbzeit, nach der Pause traf zunächst Johnny Heitinga (67.), ehe Jan Vennegoor of Hesselink (82.) und Huntelaar mit seinem zweiten Treffer (87.) die Partie vor 40 500 Zuschauern noch wendeten. Am Ende machten die Österreicher mit etlichen Fehlern den Gästen das Toreschießen ziemlich leicht.

Alle waren enttäuscht, das erwünschte und wieder eine Stunde möglich erscheinende Erfolgserlebnis war nicht eingetreten. Hickersberger verglich seine Spieler mit einem angeschlagenen Boxer. „Wir hingen in der zweiten Spielhälfte in den Seilen und bekamen die Hände nicht mehr hoch, um uns zu verteidigen.“ Aber der Teamchef des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) stemmte sich gegen den Pessimismus, obwohl sein Team seit vier Spielen keinen Sieg mehr holte. „Ich sehe eine Entwicklung, die man auch im Ausland registriert“, sagte er. Die aufkommende Diskussion, ob seine Spieler keine gute Fitness aufweisen würden, weil sie am Ende stark nachließen, sei unangebracht, meinte der Niederösterreicher. Er gab andere Gründe für den Zusammenbruch an. „Wir haben ein Problem mit der Ökonomie“, sagte „Hicke“: „Die Spieler können sich ihre mentalen und physischen Kräfte nicht so einteilen, dass sie über die volle Distanz kommen.“ Tatsächlich haben die Österreicher ein sehr junges Team. Die Profis, die gegen die Niederländer aufliefen, wiesen den für eine A-Mannschaft ungewöhnlich niedrigen Alterdurchschnitt von 22,7 Jahren auf.

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Martin Harnik, der 20 Jahre alte Offensivspieler von Werder Bremen, interessierte das Alter allerdings herzlich wenig: „Im Gegensatz zum Deutschland-Spiel haben wir unsere Chancen genutzt und aus den ersten drei Chancen drei Tore gemacht. Der Frust überwiegt. Lieber führe ich 1:0 und spiele einen Scheiß’ zusammen, als 3:0 zu führen und dann noch zu verlieren.“ Emanuel Pogatetz, mit 25 Jahren einer der ältesten Österreicher, der für Middlesbrough spielt, führte konditionelle Defizite an: „Wir sind in der zweiten Hälfte körperlich abgefallen und konnten nicht mehr die Laufwege gehen, die wir in den ersten 45 Minuten gegangen sind.“

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Jürgen Säumel dynamisch: Der 23-jährige Mittelfeldspieler von Sturm Graz spielte wie alle Österreicher eine Stunde sehr gut, wurde aber nicht mit einem Sieg belohnt. (Foto: Firo/Augenklick)

Dass Hickersberger davon sprach, im Ausland würde die positive Entwicklung der Mannschaft zur Kenntnis genommen, traf auf die Niederlande nicht zu. Die holländischen Medien kritisierten ihr Team sehr hart, trotz des Sieges, und hielten auch ihre geringschätzigen Urteile gegenüber den Österreichern nicht zurück. „Eine harte Konfrontation mit der Realität. Es war peinlich, dass das Team gegen den möglicherweise schwächsten Teilnehmer der UEFA EM so viele Schwächen gezeigt hat. Die niederländische Mannschaft wurde von einem Gegner der C-Kategorie auf unerklärliche Weise lächerlich gemacht. Das Endergebnis wurde nicht von der eigenen Stärke der Niederlande bestimmt, sondern der Schwäche des Gegners“, kommentierte die Zeitung De Volkskrant das Geschehen. Das Allgemeen Dagblad analysierte ebenfalls zynisch: „Wenn Oranje aggressiver geworden ist, wurde deutlich, wie schwach die Österreicher wirklich sind. Wenn die Elftal versucht hat, die Erwartungshaltung für die UEFA EM niedrig zu halten, dann ist ihr das gelungen.“

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Jürgen Säumel (links) und sein Austria-Kapitän Andreas Ivanschitz (rechts) bekämpfen den niederländischen Spielmacher Rafael van der Vaart. (Foto: Firo/Augenklick)


In Kroatien wurde anders geurteilt. Das Team des Landes hatte im Februar mit 0:3 in Split gegen die Niederlande verloren und ist erster Gegner der Österreicher bei der UEFA EURO 2008™. Polen und Deutschland komplettieren die Gruppe B. Österreich hätte trotz der 3:4-Niederlage gezeigt, dass sie schwer zu schlagen seien. Die Leistung wäre für die kroatische Mannschaft eine Warnung, hieß es in Medien in Zagreb und Split.

Noch zwei Spiele bleiben Hickersberger Zeit, sein bestes Team vor dem UEFA EM-Start zu finden. Am 27. Mai trifft Österreich in Graz auf Nigeria, am 30. Mai, wieder in Graz, folgt der Abschlusstest gegen Malta. Der Trainer steht vor der Aufgabe, eine Balance in der Mannschaft zu festigen. Im vorigen Jahr stand die Abwehr recht stabil, hohe Niederlagen blieben aus. Danach legte Hickersberger größeren Wert auf eine forsche Offensive. Diese fand auch statt gegen Deutschland und die Niederlande, aber dafür wurden sieben Gegentore in 180 Minuten kassiert. An der richtigen Abstimmung müssen Hickersberger und seine Spieler noch arbeiten.