Februar 2008: Österreich zieht Hoffnung aus einem „schrecklich netten Debakel“
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„Unglücklich und unverdient! Das 0:3 gegen Deutschland gibt aber ganz viel Hoffnung“, schrieb die Redaktion der Internetseite des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) als Urteil zum ersten Länderspiel des Jahres 2008. Das Duell gegen Deutschland vier Monate vor dem Start der UEFA Europameisterschaft 2008™ wurde auch bei den Medien des Landes entsprechend eingestuft. „Ein schrecklich nettes Debakel“ – so lautete die Überschrift zum Spielbericht bei der Zeitung „Der Standard“. Drei Gegentore, kein eigener Treffer, aber eine Stunde guten Fußball mit einer deutliche Überlegenheit und vielen Torchancen gegen den dreimaligen UEFA Europameister und WM-Dritten veranlassten die „Kleine Zeitung“ zu diesem Titel: „Trotzdem hat's Spaß gemacht. In diesem Untergang liegt Hoffnung.“ |
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![]() Der Österreicher Martin Harnik (links) und Philipp Lahm im Laufduell. Am Sonntag nach dem Länderspiel in Wien begegneten sie sich in der Bundesliga bei Bayern-Bremen wieder. (Foto: GES/Augenklick) |
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Die klare Niederlage täuscht tatsächlich, denn das Austria-Team war insgesamt gesehen - abgesehen von der Chancenauswertung – ebenbürtig. Thomas Hitzlsperger mit einem Distanzschuss in einer Phase (53.), als das Gastgeber-Team noch klar dominierte, Miroslav Klose (63.) und Mario Gomez (80.) schossen die Tore. Wegen zwei großartigen Rettungstaten des deutschen Verteidigers Per Mertesacker gegen Roland Linz, einem Lattentreffer von Martin Harnik und einigen guten Paraden des ansonsten sehr unsicheren deutschen Torwarts Jens Lehmann hielten die Gäste das „zu Null“. Doch das Wichtigste aus Sicht der Österreicher war die Erkenntnis, dass die Offensive letztlich nicht effektiv agierte. Martin Harnik, der 20 Jahre alte Spieler von Werder Bremen, der beim Bundesliga-Spitzenklub oft als rechter Verteidiger eingesetzt wird, stürmte neben Roland Linz, dem Rückkehrer vom portugiesischen Verein SC Braga. Die Vorstellung des Duos war nicht schlecht, aber die Qualitäten der früheren Top-Torjäger des Landes wie Hans Krankl oder Toni Polster ließen sie leider vermissen. Auf eine Diskussion, für Linz (26 Jahre) und Harnik die wesentlich älteren Stürmer Mario Haas (33) und Ivica Vastic (38) ins Team zu holen, wollte sich ÖFB-Chefcoach Josef Hickersberger nicht einlassen. Er und sein Stab hatten die deutschen Trainer und Scouts überrumpelt. Hickersberger ließ so offensiv wie noch nie zuvor spielen, indem er sein Team erstmals statt eines 4-5-1-System in einer 3-5-2-Formation auflaufen ließ. „Wenn wir das Publikum bei der EM hinter uns bringen wollen, können wir nicht 90 Minuten defensiv spielen“, erklärte Hickersberger, der seit seinem Amtsantritt 2006 eigentlich nur das Gegenteil gepredigt hatte. Tatsächlich reagierte das Publikum im mit 48 500 Zuschauern fast ausverkauften Ernst-Happel-Stadion mit Begeisterung. Am 16. Juni wird es wieder im dritten Gruppenspiel der UEFA Europameisterschaft 2008™ am Endspielort Wien erneut zum Duell Österreich versus Deutschland kommen. Bei den Gastgebern wird dann wahrscheinlich die Erinnerung an „Cordoba“ noch intensiver gepflegt. In dieser argentinischen Stadt hatte Österreich am 21. Juni 1978 mit 3:2 gegen Deutschland bei der FIFA Weltmeisterschaft gewonnen und den damaligen Weltmeister aus dem Wettbewerb geworfen. „Wir müssen nicht in Ehrfurcht erstarren vor der deutschen Mannschaft“, sagte Hickersberger mit Blick auf das Vorrundenspiel der UEFA EURO 2008™. |
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![]() Hallo! Hier sind wir! Der Österreicher Andreas Ivanschitz (rechts) und der Deutsche Bastian Schweinsteiger im Zweikampf. (Foto: GES/Augenklick) |
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Der 59-Jährige will bis dahin unbedingt an seinem Jugendstil festhalten. Auf die Frage, ob er nicht die älteren Stürmer berufen wolle, sagte er: „Das ist auch eine Frage der Philosophie. Deutschland hat mit Jürgen Klinsmann einen Generationenumbruch eingeleitet. Jetzt haben sie eine starke Mannschaft und gehören zu den EM-Favoriten.“ Er betonte die erfreulichen Lehren aus der Partie: „Die Spieler haben gesehen, dass sie mit dieser Spielweise auch einen Gegner wie Deutschland in Schwierigkeiten bringen können.“ Emanuel Pogatetz, der sein Comeback gab, nachdem ihn Hickersberger wegen seiner scharfen Kritik im Herbst 2006 begnadigt hatte, wies allerdings auch recht klar auf die Schwächen hin. „Ich glaube, wir haben gesehen, dass wir im körperlichen Bereich arbeiten müssen. Nach 60, 65 Minuten konnten wir mannschaftlich nicht mehr mithalten. Da haben uns die Deutschen überrannt, hatten die Räume und haben das eiskalt ausgenutzt“, sagte der Verteidiger des FC Middlesbrough. Aber auch der frühere Leverkusener, der wie der ebenfalls wieder berücksichtigte Linz zur Leistungssteigerung des Teams beitrug, erkannte aber den Fortschritt: „Die erste Halbzeit hat mich stolz gemacht. Da konnten die Deutschen glücklich sein, dass es noch 0:0 stand.“ Der Gegner hatte insofern einen Vorteil, weil in der deutschen Bundesliga die Saison-Rückrunde schon begonnen hatte. Die Österreicher spielten praktisch aus der Winterpause ohne Spielpraxis heraus, der Rückserien-Start in ihrer Liga stand erst zehn Tage nach der Länderpartie an. „Wir haben verloren und wissen nicht warum. Aber wir wissen, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht haben“, sagte Kapitän Andreas Ivanschitz. Der erst 24 Jahre alte Spielmacher agierte überzeugend, wird aber von den vielen Medien-Vertretern in Österreich sehr kritisch betrachtet. Hickersberger lobte den blonden Regisseur von Panathinaikos Athen zu Recht. |
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![]() Der Österreicher Alexander Manninger wartet gespannt auf einen Schuss. Die Kritik an seinem Torwart verstand ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger nicht. (Foto: GES/Augenklick) |
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Alexander Manninger, der in der italienischen ersten Liga beim AC Siena das Tor hütet, bot lange eine ausgezeichnete Leistung. Mit dem gesamten Team ließ aber auch der Schlussmann nach. Den Kopfballtreffer von Gomez zum 0:3 nach Flanke von Lukas Podolski hätte der 30-Jährige verhindern müssen. Das 0:1 von Hitzlsperger, ein Flachschuss genau ins flache Toreck nach einem Abwehrfehler, aber war nicht wirklich haltbar. Manninger war die Sicht verdeckt. „Dass ihm Fehler vorgehalten werden, habe ich erst nach dem Spiel gehört. Von der Trainerbank habe ich nichts erkannt“, sagte Hickersberger. Jürgen Macho fehlte nach einer Gehirnerschütterung im Kader, Helge Payer war auch nicht dabei. Seine Wahl, welcher Torwart bei der UEFA Europameisterschaft 2008™ den Austria-Kasten hüten soll, will Hickersberger nach dem nächsten großen EM-Test gegen die Niederlande am 26. März in Wien ein Stück näher kommen. |
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