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September 2007: Deutscher Triumph gegen England: Erster und letzter Sieger in Wembley

Joachim Löw war die Freude anzusehen. Solche Erlebnisse hat man als Fußball-Trainer nicht alle Tage. „Das ist etwas für die Geschichtsbücher, aber man muss es richtig einstufen“, sagte der 47-Jährige. Es war nur ein Sieg in einem Testspiel, aber eben ein sehr wertvoller. Mit 2:1 (2:1) hatte die deutsche Nationalmannschaft kurz zuvor England geschlagen. Zudem war dies an besonderer Stelle geschehen: Im neuen Wembley-Stadion vor 86 133 Zuschauern. Dort hatte die deutsche Elf, damals noch unter Teamchef Rudi Völler, am 7. Oktober 2000 in einem Qualifikationsspiel zur FIFA Weltmeisterschaft mit 1:0 gewonnen. Es war das letzte Spiel im alten Wembley-Stadion, bevor es abgerissen und in fünf Jahren für rund 1,2 Milliarden Euro vollkommen neu aufgebaut wurde.

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Die deutsche Nationalmannschaft, die am 22. August mit 2:1 gegen England gewann, vor dem Anpfiff im Wembleystadion in London. (Foto: GES/Augenklick)


Deutschland feierte den speziellen Triumph, in den Statistiken als letzter Sieger in Old Wembley und als erster Sieger in einem Länderspiel in New Wembley zu stehen. Die Freude bei Löw war auch deswegen so groß, als er nach dem Abpfiff durch das Stadion lief, weil dies mit einer Mannschaft geschafft wurde, die vorher von vielen als „Notelf“ bezeichnet worden war. Allerdings traten auch die Gastgeber, die am Ende von ihren Fans mit Buh-Rufen verabschiedet wurden, wegen vieler Ausfälle nicht mit ihrer besten Mannschaft an. „Wir hoffen, dass wie auf dieser Welle bis zur EM getragen werden“, sagte Oliver Bierhoff, der Teammanager des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

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Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der englische Premier Minister Gordon Brown (rechts) und DFB-Manager Oliver Bierhoff (Mitte) auf der Wembley-Tribüne. (Foto: GES/Augenklick)


Bei der UEFA EURO 2008™ in Österreich und der Schweiz wird sicher wieder ein Fan namens Angela Merkel einmal vorbeischauen. Am Abend des 22. August eilte die deutsche Bundeskanzlerin in die Katakomben des zweitgrößten Stadions in Europa, um den Nationalspielern ihres Landes herzlich zu gratulieren. 1996 war es Bundeskanzler Helmut Kohl gewesen, der nach dem deutschen Endspielerfolg bei der UEFA EURO mit dem 2:1 über Tschechien in die Kabine der Sieger kam. „Es ist eine Riesenfreude, dass die Mannschaft hier gewonnen hat“, sagte Angela Merkel. Auf der Tribüne hatte sie fast so gejubelt wie bei der FIFA WM 2006™, als sie sich beim 1:0 gegen Polen in Dortmund als echter Fan entpuppt hatte.

In London machte sie sich nach dem 0:1 von Frank Lampard (9. Minute) zunächst Sorgen. Sie erkannte, dass die Spieler mit dem deutschen Bundesadler auf der Brust zuerst große Probleme hatten. Wie die gut 10 000 deutschen Zuschauer war sie vor dem Spiel beeindruckt von der besonderen Geste der Gastgeber gewesen. Mit Pappschildern bildete das Publikum den Schriftzug „Danke für 2006“. Auch in England hatte die FIFA Weltmeisterschaft vor einem Jahr echte Begeisterung ausgelöst. Und mit den deutschen Fans, die die Gastgeber stimmlich gesehen tatsächlich über 90 Minuten übertrumpften, freute sie sich über Ausgleich von Kevin Kuranyi (26.) und über das Tor zum 2:1 (40.), zumal der Treffer von Debütant Christian Pander auch noch sehr spektakulär war. Mit einem satten Schuss aus 25 Metern bezwang der 24-Jährige den englischen Torwart Paul Robinson und erzielte damit den zweiten Treffer eines Schalkers an diesem Abend.

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Freude in Wembley: Christian Pander (links) und Kevin Kuranyi, die Nationalspieler des FC Schalke 04, erzielten die Tore zum 2:1 gegen England. (Foto: GES/Augenklick)




Es ist erstaunlich, was Löw mit der Mannschaft auf die Beine stellt, selbst in den Situationen, in denen er auf viele Stammspieler verzichten muss. Insgesamt elf Spieler standen nicht zur Verfügung. Er zeigte, dass er ein exzellenter Taktiker ist. Er stellte das Team erstmals auf ein 4-5-1-System um mit nur einem Stürmer (Kuranyi) und einem breiten Mittelfeld, ihm gelang mit einem klugen Schachzug eine spielentscheidende Personalie. Philipp Lahm spielte erstmals nicht Außenverteidiger in der Nationalelf, sondern im defensiven Mittelfeld, als Ersatz für Torsten Frings auf der Position sechs. „Das habe ich in der A-Jugend und einmal auch in der Bundesliga schon gemacht“, sagte der Münchner einer starken Leistung.

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Bei David Beckham (vorne) lief es nicht so gut, bei Philipp Lahm viel besser. „Becks“ verlor zwei Tage später auch mit Los Angeles, Lahm siegte mit dem FC Bayern München. (Foto: GES/Augenklick)

Trotz eines schwachen David Odonkor agierte das Mittelfeld gut, zumindest deutlich besser als das spielerisch sehr beschränkte englische. Das Konzept ging auf: Mit dem schnellen Kurzpassspiel, meist initiiert von Kapitän Bernd Schneider, wurde das Team der Gastgeber oft vorgeführt.

Die unsichere Startphase erklärte Löw damit, dass die Mannschaft, in der auch Michael Ballack und Miroslav Klose fehlten, sich nach nur zwei Trainingseinheiten und in stark neuer Zusammensetzung erst einmal finden musste. „Es ging leider um nichts, aber um viel Prestige, und das ist oft mehr wert als ein FIFA WM-Qualifikationsspiel. Die Jungs haben fantastisch gespielt. Wir waren die Letzten, die hier gewonnen haben - und jetzt sind wir die Ersten“, freute Jens Lehmann, der mehrfach den Ausgleich mit guten Paraden verhinderte. Der Torwart des FC Arsenal ging leicht verletzt ins Spiel, er wollte unbedingt einmal in Wembley spielen. Nach der Partie musste er feststellen, dass er diesen Ehrgeiz teuer bezahlte. Verletzt fiel er in der Premier League aus.

Das deutsche Team kann dem Qualifikationsspiel zur UEFA EURO 2008™ am 8. September in Cardiff gegen Wales gelassen entgegen sehen. Mehr Stress haben die Engländer, wo Nationaltrainer Steve McClaren noch mehr unter Druck geriet. Die Briten haben ein Torwart-Problem, die Leistungen von Robinson weisen nicht immer internationales Format auf. Siege in den Heimspielen in der Qualifikationsgruppe E am 8. September gegen Israel und 12. September gegen Russland sind enorm wichtig. Noch belegt der FIFA Weltmeister von 1966 nur Platz vier in der Gruppe hinter Kroatien, Israel und Russland – zu wenig für eine T an der UEFA EURO 2008™.