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Juni 2007: Der Triumph von Timo Hildebrand: Torwart verlässt Stuttgart als Meister

Am 25. Mai 2007 ging eine Ära im Tor des VfB Stuttgart zu Ende. Timo Hildebrand wird das Tor der Schwaben zukünftig nicht mehr hüten. „Ich denke, er wird uns vermissen. Wir ihn natürlich auch“, sagte Horst Heldt, der Manager des VfB Stuttgart. Timo Hildebrand, der nach 221 Bundesliga-Spielen in fast acht Jahren in der nächsten Spielzeit ein neues Kapitel seiner Torhüter-Laufbahn aufschlägt, war ein wenig wortkarg. „Es ist mir noch nicht so bewusst, dass jetzt Schluss ist“, sagte der 28-Jährige. Fest steht: Timo Hildebrand ging im Olympiastadion in Berlin als ein Fußball-Held von Bord. Der Abschluss seiner Laufbahn in Stuttgart war einfach grandios. Der Nationaltorwart trug mit phantastischen Leistungen viel dazu bei, dass der VfB Stuttgart am 19. Mai 2007 sensationell seine fünfte Deutsche Meisterschaft feiern konnte. Eine Woche später, am 25. Mai in Berlin, standen die Schwaben im Endspiel um den DFB-Pokal. Es ging mit 2:3 (2:2, 1:1) nach Verlängerung gegen den 1. FC Nürnberg verloren. Aber Timo konnte sich dennoch auch über das letzte Spiel im VfB-Trikot freuen.

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„Ich bin einfach nur glücklich, das erlebt zu haben. Zwei Finals mit dem VfB zu spielen und einen Titel zu holen“, sagte Hildebrand. Eine Woche, nachdem er mit seinen Teamkollegen mit dem 2:1 gegen Energie Cottbus seinen ersten Meistertitel perfekt gemacht hatte, ging für ihn mit der Niederlage gegen Nürnberg die Welt nicht unter. „Ich bin stolz auf diese Mannschaft. Ich bin stolz darauf, dass ich in diesem Team spielen durfte“, sagte Hildebrand. „Dass wir es geschafft haben, mit zehn Mann nach dem Platzverweis von Cacau im Finale mitzuhalten, war eine große Leistung.“ Mit ehrlicher Anerkennung gratulierte Hildebrand dem Nürnberger Torhüter Rafael Schäfer, der in der Saison 2007/08 seine Nachfolge in Stuttgart antreten wird. Die beiden kennen sich von früher aus der deutschen Jugend-Nationalmannschaft. „Ich wünsche Rafael viel Glück beim VfB“, sagte Hildebrand.

Die letzten Wochen erlebte Hildebrand wie eine Befreiung bei seinem Verein, zu dem er mit 16 Jahren vom FV Hofheim in der Nähe von Worms gekommen war. Kompliziert hatte die Saison für die Stuttgarter begonnen, am 3. Spieltag stand der VfB auf Platz 15. Ob Armin Veh wirklich der richtige Trainer wäre und ob das Team die nötige Klasse besitze, lauteten die Fragen. Die Schwaben fingen sich, obwohl jeweils die Starts in die Hin- und Rückrunde mit einem 0:3 und einem 1:4 gegen den 1. FC Nürnberg völlig missrieten.

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Timo Hildebrand (links) gratuliert Rafael Schäfer nach dem Pokalsieg des 1. FC Nürnberg gegen den VfB Stuttgart. Schäfer wird Hildebrands Nachfolger beim VfB. (Foto: GES/Augenklick)

In der zweiten Saisonhälfte begann der VfB von Platz vier die große Aufholjagd: Erst wurde Vorjahresmeister Bayern München überholt, dann Werder Bremen und schließlich am 33. Spieltag auch Schalke 04, der 13 Spielrunden auf Platz eins gestanden hatte. Während Schalke mit 0:2 in Dortmund verlor, siegte Stuttgart mit 3:2 im benachbarten Bochum.

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Hildebrand wurde als „Matchwinner“ gefeiert, denn in der 86. Minute hatte er mit einer Weltklasseparade nicht nur den Sieg gerettet. Wie ein Handballtorwart sprang er in den Schuss von Christoph Dabrowski aus drei Meter Entfernung und zerstörte den letzten Bochumer Versuch, den Stuttgartern die Tabellenführung wieder zu nehmen. Mit der Brust wehrte Timo den hart geschossenen Ball ab. „Er ist ein Teufelskerl, dem wir es zu verdanken haben, dass wir da oben stehen“, sagte Mario Gomez. Eine Woche später gelang Hildebrand mit dem VfB der ganz große Triumph nach acht Bundesliga-Siegen in Serie. 250 000 Fans feierten die Stuttgarter Mannschaft in einer Riesen-Party vor dem Schloss in der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

In Bochum stand Timo groß im Mittelpunkt. Dort hatte der Verein im Dezember nach dem Sieg gegen den VfL im Pokal-Viertelfinale bekannt gegeben, dass die Trennung vom Hildebrand zum Saisonende bevorstehen würde. Sie war von Timo gewünscht. Seinen neuen Verein will er allerdings erst Ende Juni bekannt geben, weil er dies mit seinem künftigen Arbeitsgeber vereinbart hat.

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Timo Hildebrand und das Objekt der Begierde: Der Torwart jubelt mit der Meister-Trophäe des Deutschen Fußball-Bundes. (Foto: GES/Augenklick)

„Ich stelle mich einer neuen Herausforderung, ich will neue Lebenserfahrungen sammeln: Andere Sprache, andere Kultur, sich neu einordnen, jeden Tag dazu lernen“, sagt Hildebrand zum bevorstehenden Klubwechsel. Dass er Stuttgart den Rücken zukehrt, fällt ihm nicht leicht. „Es ist schwer, wegzugehen“, sagte er. „Ich bin ein emotionaler Mensch und sensibel. Ich bin als Sechzehnjähriger gekommen, ich habe mich hier als Mensch entwickelt. Stuttgart ist meine zweite Heimat, das wird eine emotionale Kiste“, erklärte er wenige Tage vor der fünften Meisterschaft des VfB. Sein Trennungsschmerz sei verständlich, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung, „am Ende einer Saison, die sich wie eine Berg-und-Tal-Fahrt anfühlte, bevor es auf der Zielgeraden nur noch steil bergauf ging“.

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Timo Hildebrand freut sich mit Armin Veh (rechts), dem Trainer des VfB Stuttgart, über den sensationellen Gewinn der Deutschen Meisterschaft. (Foto: GES/Augenklick)


Trainer Armin Veh lobte seinen Sieg-Garanten: „Timo hat eine gute Entwicklung hinter sich. Das ist schon ein richtig guter Torhüter.“ Auch seine Karten in der deutschen Nationalmannschaft wird Hildebrand verbessert haben. Es ist wohl keine Frage mehr, dass der Torwart seinen Platz als Stellvertreter hinter Jens Lehmann festigte. Dies war im Herbst 2006, als er gegen Georgien (2:0) und auf Zypern (1:1) seine Einsätze Nummer vier und fünf im deutschen Trikot absolvierte, noch in Frage gestellt worden. Den Saisonschluss und den verdienten Urlaub musste der Meister-Torwart wegen der Nationalmannschaft auch nach seinem letzten Spiel für Stuttgart noch verschieben.

Für die Qualifikationsspiele zur UEFA EURO 2008™ gegen San Marino in Nürnberg (2. Juni) und gegen die Slowakei in Hamburg (6. Juni) hatte ihn Bundestrainer Joachim Löw als Nummer zwei in das Aufgebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) berufen. Löw betonte, dass Hildebrand gute Aussichten besitzt, die Nummer eins im Team des FIFA WM-Dritten zu werden. Trotz des Vereinswechsels gibt es neben dem Nationalteam noch eine weitere Konstante bei Timo Hildebrand: Der Torwart bleibt Markenbotschafter der Continental AG.