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April 2007: Stuttgarter Höhenflug dank Hildebrand – Nach elf Jahren verlässt Timo den VfB

Im Juni wird ein neuer Lebensabschnitt für Timo Hildebrand beginnen. Nach den Spielen in der Qualifikation zur UEFA EURO 2008™, in denen die deutsche Nationalmannschaft in Nürnberg auf San Marino (2. Juni) und in Hamburg auf die Slowakei (6. Juni) trifft, ist die Saison 2006/07 beendet. Gut ein Jahr nach der FIFA WM 2006™ wird Timo Hildebrand zu neuen Ufern aufbrechen. Der VfB Stuttgart wird nach elf Jahren für den Nationalspieler Vergangenheit sein.

Der Name Hildebrand wird mit dem Verein für Ballspiele (VfB), der am Neckar neben dem Gottlieb-Daimler-Stadion und dem Gelände des Cannstatter Wasens zu Hause ist, aber auf ewig verbunden bleiben. Im laufenden Spieljahr zeigte Hildebrand noch einmal, was die Schwaben an ihm haben. Überaus erfolgreich und mit weitaus besseren Ergebnissen als erwartet, kehrte die Mannschaft in die absolute deutsche Spitzenklasse zurück. „Natürlich können wir Deutscher Meister werden“, sagte Hildebrand in den Tagen vor dem Osterfest, nachdem der VfB in der Bundesliga eine kleine Durststrecke von vier Spielen ohne Sieg mit dem 3:1 gegen Alemannia Aachen beendet hatte. Auf Platz drei lag das Team von Trainer Armin Veh, vier Punkte hinter Spitzenreiter Schalke 04, zwei Zähler hinter Werder Bremen, aber zwei Punkte vor dem Titelverteidiger FC Bayern München, dem größen Süd-Konkurrenten.

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Hoch konzentriert wartet Timo Hildebrand auf den Angriff des Gegners. Dank seiner großartigen Leistungen befindet sich der VfB Stuttgart auf einem Höhenflug. (Foto: GES/Augenklick)

Der fünfte Titelgewinn für die Stuttgarter nach 1950, 1952, 1984 und 1992 war zu diesem Zeitpunkt nicht ausgeschlossen, vor allem weil die Bundesliga mit etlichen unerwarteten Spielausgängen Kapriolen schlug und weder Schalke noch Bremen stabil auf Meisterkurs lagen. Hildebrand Aussage, dass die Meisterschaft noch möglich wäre, war schlicht und einfach nicht zu dementieren. 1992 holte der VfB aus einer ähnlichen Lage, als die favorisierten Teams aus Dortmund und Frankfurt patzten, sensationell den Titel. Ein Platz, der die UEFA Champions-League-Teilnahme sichern würde, war das eigentliche Ziel der Stuttgarter. Dass die Saison mit Rang zwei oder drei abgeschlossen werden kann, das hätte im Sommer 2006 selbst beim VfB kaum jemand erwartet. „Wir haben eine junge, sehr starke Mannschaft, die sich sehr gut entwickelt kann“, hatte Hildebrand zuversichtlich nach den ersten Spielen geäußert. Allerdings war der Start schwergefallen, das neue, junge VfB-Team benötigte seine Zeit, um in Schwung zu kommen. Dann aber stürmte es mit Spielwitz, taktischer Finesse und dem von Veh propagiertem attraktiven Fußball in das Vorderfeld der Liga.

Betrachtet man die Situation um den 5. April herum, an dem Timo Hildebrand seinen 28. Geburtstag feierte, muss die Saison am 21. Mai für den VfB nicht beendet sein. Denn parallel zu ihrem Aufschwung in der Bundesliga stießen die Stuttgarter auch im DFB-Pokal unter die vier besten Mannschaften vor. Nach dem 2:0 gegen Hertha BSC Berlin im Viertelfinale, dem ein souveränes 4:1 beim VfL Bochum vorausging, steht der VfB im Halbfinale. In der letzten April-Woche kann durch einen Sieg beim VfL Wolfsburg das Endspiel in Berlin am 28. Mai erreicht werden. Die Stuttgarter gelten nicht nur bei vielen VfB-Fans, sondern auch unter den meisten Experten als Favorit auf den Pokalsieg, der ihr vierter nach 1954, 1958 und 1997 wäre. Im zweiten Halbfinale stehen sich der 1. FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt gegenüber. Gegen die Nürnberger hatte der VfB bei den Starts zur Hin- und Rückrunde der Bundesliga seine Schwierigkeiten und unterlag 0:3 und 1:4. „Club“-Torwart Raphael Schäfer wird im übrigen die Nachfolge von Hildebrand beim VfB antreten.

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Timo Hildebrand und sein Stuttgarter Teamgefährte Sami Khedira am 20. März bei einem gemeinsamen Abendessen der A-Nationalmannschaft mit der U-21-Auswahl. (Foto: GES/Augenklick)


Dem Torwart, der im Januar 1996 vom FV Hofheim/Ried nach Stuttgart kam, muss ein großer Anteil am aktuellen Aufschwung des VfB gut geschrieben werden. Hildebrand vermittelte dem jungen Team mit seinen mehr als 200 Bundesliga-Einsätzen die Sicherheit. Es zeigte sich, dass die von Skeptikern geäußerten Zweifel in der komplizierten Anfangsphase der Saison, ob seine Leistungsfähigkeit noch auf obersten Niveau angesiedelt wäre, völlig unberechtigt waren. „Dass ich vor der WM einen Bandscheibenvorfall hatte, hat kaum jemand interessiert“, sagte Hildebrand. Dennoch bildete er zusammen mit den Innenverteidigern Fernando Meira und Mathieu Delpierre das Bollwerk hinter der Mannschaft, die für ihre erfrischende Offensive viel Beifall erhielt. Mario Gomez und Roberto Hilbert schafften den Sprung in die A-Nationalmannschaft, Serdar Tasci, Sami Khedira und Andreas Beck rückten in die neue deutsche U-21-Auswahl auf. Dem VfB wird zugetraut, auch in den nächsten Jahren an der Spitze mitzumischen, nationale Erfolge zu feiern und Akzente auf internationaler Ebene zu setzen.

Allerdings ohne Timo Hildebrand, den Leistungsgaranten und den Sicherheitsexperten der früheren Jahre. Der blonde Schlussmann entschied sich im Winter, den Verein zu verlassen, und ging auf ein neues Vertragsangebot nicht ein. Dass der FC Valencia sein neuer Arbeitsgeber wird, wie spanische Medien zuletzt vor dem Länderspiel des deutschen Teams in Tschechien meldete, bestätigten weder Hildebrand noch seine Berater nicht. Ein Vertragsabschluss in Valencia, eventuell bis 2011, wäre zweifellos mit einem weiteren Karrieresprung von Hildebrand verbunden. Der spanische Spitzenverein spielt praktisch ständig eine Spitzenrolle in der spanischen Meisterschaft und ist seit Jahren in der UEFA Champions League vertreten.

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Im ZDF-Sportstudio am 17. Februar präsentierte sich Timo Hildebrand gut gelaunt und erklärte, er wolle beim VfB Stuttgart mit einem „Pokal“ in den Händen aufhören (Foto: gd-Archiv)


„Die Vereine, die mich aufnehmen würden, wollen Ruhe. Ich habe den Luxus, mich in Ruhe zu entscheiden. Es wird sich noch etwas herauszögern, bis mein neuer Verein bekannt wird“, sagte Hildebrand bei einem Auftritt im ZDF-Sportstudio im Februar. Auch aus England signalisierten führende Klubs eine Interesse an der Verpflichtung des deutschen Torhüters. „Mein Herz wird auch dem VfB weiter gehören“, versicherte Hildebrand, der einst für den großartigen Ligarekord von 802 Minuten ohne Gegentor sorgte. „Ich finde es normal, wenn man eine neue Herausforderung sucht“, erklärte er seinen Wunsch nach Veränderung, nachdem er sieben Jahre die Nummer eins beim VfB war. Auch Klubtrainer Veh fand die Tatsache, dass sich sein überragender Stammkeeper, der unter anderem beim 4:1 gegen Bremen eine Weltklasse-Darbietung präsentierte, neu orientiert in Ordnung: „Im Profigeschäft ist es normal, dass ein Spieler den Verein wechselt.“ Den Abschied möchte Hildebrand gerne feierlich vor dem Stuttgarter Schloss begehen. „Vor zwei Jahren habe ich gesagt, dass ich mich mit einem Pokal verabschieden will. Wir haben noch zwei Möglichkeiten“, sagte der Torwart im Februar. Anfang April haben er und das VfB-Team noch immer die Optionen auf den Gewinn von Meisterschaft und/oder DFB-Pokal.

In der deutschen Nationalmannschaft muss sich Hildebrand noch mit einer untergeordneten Rolle zufrieden geben. Mit zwei Einsätzen gegen Georgien (2:0) und auf Zypern (1:1) erhöhte er die Zahl seiner Länderspiele in dieser Saison auf fünf. Jens Lehmann bleibt vorerst die Nummer eins, wie Joachim Löw betonte. Zugleich machte der Bundestrainer aber deutlich, dass Timo Hildebrand eine wichtige Rolle in seinen Planungen spielt. „Timo hat ausgezeichnete Leistungen gezeigt. Der VfB hat auch ihm zu verdanken, dass er wieder nach oben gekommen ist“, sagte Löw, früher selbst Chefcoach in Stuttgart. Dass Timo seine Rolle als Lehmann-Stellvertreter an den Hannoveraner Robert Enke verloren habe, bestritt Löw. Der Konkurrenzkampf sei offen, aber Hildebrand bliebe eine feste Größe und dürfe mit einer Teilnahme an der UEFA EURO 2008™ in Österreich und in der Schweiz.