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April 2008: „Super-Mario“ Gomez: Deutschlands neue Sturm-Hoffnung immer besser

Auf die Frage, was er als Erfolg bei der UEFA EURO 2008™ bezeichnen würde, gab Mario Gomez eine sehr klare Antwort. „Den Titel. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Seine Zielstrebigkeit, seinen Zug zum Tor, seinen Sturm und Drang auf den Weg zu großen Taten stellte der 22-Jährige am 26. März beim 4:0 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft in Basel im Test für die UEFA EURO 2008™ gegen die Schweiz unter Beweis. Innerhalb eines Jahres hat sich der Stuttgarter im Elitekreis der deutschen Profi-Fußballer etabliert. Der Stürmer, der in seinem neunten Länderspiel im St.Jakobs-Park bereits seine Treffer Nummer fünf und sechs erzielte und die absoluten Bestnoten erhielt, gilt als einziger Spieler, der nicht bei der FIFA WM 2006™ dabei war, aber einen Stammplatz bei der UEFA Europameisterschaft (7. bis 29. Juni) sicher hat. „Das war ein gelungener Abend“, freute sich Gomez, der im Februar 2007 in Düsseldorf, ebenfalls gegen die Schweiz und sogleich mit einem Tor zum Debüt, seinen Einstand gegeben hatte.

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Mario Gomez jubelt: Beim 4:0 gegen die Schweiz erzielte der Stuttgarter in seinem 9. Länderspiel bereits seine Tore Nummer fünf und sechs im DFB-Trikot. (Foto: GES/Augenklick)


Selbstbewusst und fast selbstverständlich nimmt er beim UEFA EM-Turnier mit den Gruppengegnern Polen, Kroatien und Österreich das Finale am 29. Juni in Wien ins Visier. „Das Potential als Mannschaft haben wir“, erklärte er. Seine Aussichten, dann dabei zu sein, aber beurteilte er überraschend nüchtern: „Im Moment läuft es sehr gut. Aber was in zwei Monaten ist, weiß niemand.“ Zudem würde der erste Stammplatz im Sturm eindeutig Miroslav Klose gehören, betonte Gomez. Und Kevin Kuranyi (Schalke), mit dem er früher in Stuttgart zusammenspielte, und die mittlerweile in die zweite Reihe gerückte FIFA WM-Stammkraft Lukas Podolski (Bayern München) wären von der Leistung mit ihm selbst „auf einer Höhe“.

So ist er, der Mann, denn sie wegen seiner gewaltigen Trefferquote gerne „Super-Mario“ nennen. Extrem leistungsorientiert und ehrgeizig, aber zugleich ausgesprochen realistisch und teamfähig. Sein Stuttgarter Trainer Armin Veh äußerte am Sonntag zuvor, nach einer starken Leistung von Gomez beim 4:1 gegen Rostock, die Meinung, dass der Stürmer trotz eines Vertrags bis 2012 spätestens 2009 die Schwaben verlassen wird: „Ich gebe mich keinen Illusionen hin. Wie ich das sehe, wird Mario seinen Vertrag bei uns nicht erfüllen. Er wird bei einem großen Verein in Europa landen.“ Der Sohn eines spanischen Vaters und einer schwäbischen Mutter reagierte darauf in Basel vor dem Länderspiel nicht erfreut. Das Thema interessiere ihn überhaupt nicht.

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Im vorigen Jahr lehnte er ein Angebot von Juventus Turin ab, was ihm über vier Jahre angeblich 20 Millionen Euro eingebracht hätte. „Klar, ich muss Geld verdienen, aber es geht mir nicht darum, mit einem Schlag ausgesorgt zu haben“ sagte er. Er sei stolz darauf, dass er in Stuttgart geblieben wäre, hob er hervor. Denn nach der Meisterschaft im vorigen Jahr, zu der mit seinen Toren viel zu beisteuerte, und seiner überraschenden Wahl zum „Fußballer des Jahres“ in Deutschland geriet er in eine Krise. Dass er sich aus dem Leistungstief befreien konnte, habe ihn in seiner Entwicklung weiter gebracht, meint er. Dass der „Halbspanier“ davon träumt, einmal für seinen Lieblingsklub FC Barcelona zu spielen, hat er schon einmal zugeben.

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Philipp Lahm voller Dynamik: Der Verteidiger gibt gleich drei Schweizern das Nachsehen: Philippe Senderos (am Boden), Gökhan Inler und Tranquillo Barnetta (im Hintergrund). (Foto: GES/Augenklick)

Nur haben die Wünsche keinen aktuellen Bezug. Doch ein Wechsel bleibt ein Thema: Nach der Rückkehr aus der Schweiz nach Deutschland sorgten in Stuttgart die Meldungen der spanischen Zeitungen „Marca“ für Aufregung, dass Gomez bei Real Madrid auf einer Liste von Spielern stehe, an denen man großes Interesse habe.

Die Torquote des schnellen, zudem kräftigen Stürmers ist gewaltig. „Mario hat einen Torschnitt, der beneidenswert ist. Auf ihn werden bei der UEFA EM viele Augen gerichtet sein“, sagte Oliver Bierhoff, der Teammanager der deutschen Mannschaft. 16 Tore hat er in elf Spielen im Jahr 2008 bis zum 26. März erzielt, acht in sieben Bundesliga-Partien, drei in den Länderspielen gegen die EM-Gastgeber Österreich und Schweiz, im Pokal ein Hattrick gegen die Amateure von Werder Bremen und zwei beim Ausscheiden gegen Jena. Insgesamt hat er in der Bundesliga 15 Treffer in nur 19 Saisonspielen erzielt. Das alles spricht für einen UEFA EM-Stammplatz. Löw lobte ihn vor allem für seine „Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor“. Dazu bereitete Gomez das 1:0 von Klose toll vor und brachte einmal Michael Ballack in ausgezeichnete Schussposition.

Gegen einen UEFA EM-Stammplatz von Gomez spricht, dass seine Tore am Fließband zuletzt mit wenig Training zustande kamen. Seit einer Verletzung im vergangenen Jahr machen ihm häufiger Muskelprobleme zu schaffen. Vor der Partie gegen Rostock am Samstag konnte er unter der Woche nur 20 Minuten trainieren - und erzielte ein Tor, gab zwei Vorlagen und machte ein Eigentor.

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Die deutsche Mannschaft vor dem Anpfiff des Testspiels in Basel gegen die Schweiz am 26. März 2008. Aus dem UEFA EM-Wunschteam fehlen Frings, Schneider und Metzelder. (Foto: GES/Augenklick)


Löw kam seiner Entscheidung für die Nominierung des 23 Spieler umfassenden UFEA EM-Kaders einen weiteren Schritt näher. „Wir hatten einige offenen Fragen, auf die teilweise Antworten gefunden wurden“, sagte er. Die 16 in Basel eingesetzten Spieler haben gute Chancen, am 17. Mai, wenn Löw auf der Zugspitze das Spieleraufgebot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bekannt gibt, auf der Liste zu stehen.

Dabei handelte es sich um Torwart Jens Lehmann (Arsenal London), die Abwehrspieler Marcell Jansen, Philipp Lahm (beide Bayern München), Per Mertesacker (Bremen), Heiko Westermann (Schalke) und Arne Friedrich (Berlin), die Mittelfeldspieler Michael Ballack (Chelsea London), Clemens Fritz (Bremen), Thomas Hitzlsperger (Stuttgart), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Simon Rolfes (Leverkusen) und Piotr Trochowski (Hamburg) sowie die Stürmer Mario Gomez (Stuttgart), Miroslav Klose, Lukas Podolski (beide Bayern München) und Kevin Kuranyi (Schalke).

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Jens Lehmann blieb wieder ohne Gegentor: Beim 4:0 gegen die Schweiz baute der 38-Jährige seinen Länderspiel-Rekord auf 621 Minuten ohne Gegentreffer aus. (Foto: GES/Augenklick)


Als sicherer UEFA EM-Kandidat gilt zudem Bernd Schneider (Leverkusen), falls der wegen schwacher Form in Basel nicht eingesetzte Mittelfeldmann wieder zur gewohnten Spielerstärke zurückfindet. Ebenso fest rechnet Löw mit Torsten Frings (Bremen), der nach einer langen Verletzungspause noch Spielpraxis sammeln muss. Unbedingt einen Platz frei halten möchte Löw für Christoph Metzelder (Real Madrid), der sich einer erneuten Fußoperation unterziehen musste.

Bei den Torhütern standen Timo Hildebrand (Valencia) und Robert Enke (Hannover) im Aufgebot für die Schweiz. Nicht ausgeschlossen, aber vom DFB-Trainerstab auch nicht wirklich gewünscht, ist eventuell die Nominierung von Rene Adler (Leverkusen) anstelle von Enke. Im Sturm dürfte die Entscheidung zwischen dem routinierten Oliver Neuville (Mönchengladbach) und Stefan Kießling (Leverkusen) fallen. Im Mittelfeld hofft Löw auf eine Leistungssteigerung von Tim Borowski bei Werder Bremen, Alternativ käme der Stuttgarter Sami Khedira in Frage. Damit wäre der 23-Mann-Kader für die UEFA EURO 2008™ komplett.