Februar 2008: Drei Tore des deutschen Teams, aber noch mehr Fragezeichen
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Freude wollte bei Joachim Löw nicht aufkommen. Mit 3:0 (0:0) hatte die deutsche Nationalmannschaft gegen Österreich gewonnen, aber der deutsche Bundestrainer schien fast ein schlechtes Gewissen zu haben, dass seine Mannschaft so hoch siegte. Eine Halbzeit hatte es im Wiener Ernst-Happel-Stadion an diesem 6. Februar nach einem Desaster für den FIFA WM-Dritten ausgesehen. Löw hatte aufgebracht reagiert. Der 48-Jährige hatte in der ersten Halbzeit unbeherrscht vor das Trainerhäuschen aus Plexiglas getreten, im zweiten Durchgang traktierte er die Werbebande, bei einem Wutanfall beim Stand von 2:0 warf er mit einer Flasche. Löw hatte ein ganz neues Gesicht gezeigt. Drei Tore schoss sein Team schließlich durch Thomas Hitzlsperger (53.), Miroslav Klose (63.) und Mario Gomez (80.), aber der Bundestrainer musste feststellen, dass es für ihn vier Monate vor dem Beginn der UEFA EURO 2008™ noch einige Fragezeichen gibt. |
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![]() Mario Gomez trifft mit einem Kopfball zum 3:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich in Wien. Austria-Torwart Alexander Manninger kommt zu spät. (Foto: GES/Augenklick) |
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Der dreimalige UEFA Europameister wurde von den Österreichern lange wie am Aschermittwoch in Florenz vor zwei Jahren von den Italienern (1:4) böse vorgeführt, mit dem großen Unterschied, dass das Austria-Team seine Torchancen nicht nutzte. Torwart Jens Lehmann produzierte drei krasse Fehler, in der 22. Minute wurde der 38-Jährige zum wiederholten Mal zum Irrläufer beim Verlassen des Strafraums. „Es ist klar, dass bei ihm eine Diskussion aufkommt, wenn er Fehler macht. Wir wissen mit der Situation umzugehen und haben Vertrauen zu ihm“, gab Löw seiner Nummer eins umgehend Rückendeckung. Seine Abwehr zeigte ohne den verletzten Christoph Metzelder eine erschreckend instabile Leistung. Elf Torchancen des UEFA EM-Gastgebers wurden zugelassen. Das Mittelfeld bot fast eine Stunde ein sagenhaftes Fehlpass-Festival, die Stürmer hingen wirkungslos in der Luft. Die Neuigkeit aber war: Die Einstellung der überheblich wirkenden Truppe ließ stark zu wünschen übrig. „Wir brauchen wieder mehr Leidenschaft, schnelleres Denken und Handeln auf dem Platz“, forderte Teammanager Oliver Bierhoff. |
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„60 Minuten sind wir förmlich an die Wand gespielt worden. Das 3:0 darf uns nicht täuschen. Joachim Löw hat bis zur UEFA EM noch viel zu tun“, urteilte Franz Beckenbauer. Die Einschätzung deckte sich mit der Analyse von Löw, der zugab, „dass wir Glück hatten, nicht zur Halbzeit in Rückstand zu liegen“. Er und sein Stab hatten sich von Josef Hickersberger überrumpeln lassen. Der Bundestrainer überraschte selbst durch die Aufstellung von Neuling Heiko Westermann als Rechtsverteidiger. Später kam mit Jermaine Jones noch ein zweiter Neuling des FC Schalke 04 im DFB-Team zum Einsatz. |
![]() Heiko Westermann, der Verteidiger von Schalke 04, kam gegen Österreich über 90 Minuten zu seinem ersten Einsatz im DFB-Team. (Foto: GES/Augenklick) |
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Aber Austria-Coach Hickersberger hatte noch größere Überraschungen parat, er wählte den Offensiv-Coup, indem er sein Team erstmals statt eines 4-5-1-System in einer offensiven 3-5-2-Formation auflaufen ließ. Seine Mannschaft agierte eine Stunde lang sehr stark. Löw fürchtete für das UEFA EM-Duell im dritten Gruppenspiel an gleicher Stelle eine noch härtere Herausforderung: „Es wird noch ganz anders sein am 16. Juni. Die Österreicher werden um ihr Leben laufen“, sagte Löw: „Wir müssen unseren Spielern müssen klarmachen, dass sie körperlich und geistig zulegen müssen.“ |
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![]() Michael Ballack spielte erstmals wieder seit März 2007 in der deutschen Nationalmannschaft. Mit dem Österreicher Jürgen Säumel (links) lieferte sich der Kapitän harte Duelle. (Foto: GES/Augenklick) |
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Ballack zeigte seine Führungsqualitäten auf dem Platz, indem er sich mit den hart einsteigenden Österreichern stritt, und danach durch eine nachdenkliche Kritik. „Der Trend bei uns zeigt in den letzten Wochen und Monaten nach unten. Das darf man nicht schön reden“, sagte er. Beim 0:0 gegen Wales und beim 0:3 gegen Tschechien hatte das Team im vorigen Herbst schon den Nach-FIFA WM-Schwung verloren. Und auch das 0:0 in Irland, mit dem die UEFA EM-Qualifikation geschafft wurde, war mit einem dürftigen Auftritt erreicht worden. „Wir müssen aufpassen bis zur EM, damit wir die Kurve kriegen“, sagte Ballack. Löw führte einige Gründe für den Leistungsabfall an: „Die Mannschaft ist jung. Das merkt man, wenn eine gewisse Nervosität aufflackert.“ Und sein Team brauche viel Training. Der Bundestrainer hatte seine innere Ruhe weitgehend wieder gefunden, als er recht optimistisch der UEFA Europameisterschaft entgegen blickte: „Manchmal gibt es so einen Stillstand. Wir wissen, wo die Ansätze sind. Es gibt einen Masterplan von uns.“ |
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