Pädagogisches Konzept
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Das pädagogische Konzept, das diesem Handbuch zu Grunde liegt, sieht den Schüler als Akteur seines eigenen Bildungsprozesses; als einen Menschen, der sich aktiv in Auseinandersetzung mit seiner Umwelt Bildungsinhalte und Verhaltensweisen aneignet. Dem selbsttätigen und selbstständigen Handeln, wie beispielsweise beim Suchen von Fahrplanauskünften im Internet oder dem helfenden und vermittelnden Handeln als Schulbuslotsen, kommt daher eine große Bedeutung zu.
Schülerinnen und Schüler sind als eigene Person ernstzunehmen und zu stärken (Stoltenberg et al. 2002). Ein wichtiges Bildungsziel ist, die Schülerinnen und Schüler so zu stärken, dass sie ihre Rolle als Akteur übernehmen können. Dazu gehört auch, dass individuelle Bedürfnisse und Stärken berücksichtigt werden. Dabei sollten aber auch Probleme und Konflikte beachtet und ihnen Strategien an die Hand gegeben werden, um damit fertig zu werden. Diese Strategien sind zum einen auf die einzelne Person als auch auf die Gruppe zu richten. Die inhaltliche Voraussetzung für selbsttätiges Handeln ist das Lernen und Denken in Zusammenhängen, wie es in dem Konzept einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung[1] gefordert ist. Dem liegt die Einsicht zugrunde, dass wir in Wirkungszusammenhängen denken müssen, dass wirtschaftliche Entscheidungen oder soziale immer mit ökologischen verbunden sind, kulturelle Werte mit verantwortlich sind für den Umgang mit Gerechtigkeit, mit Natur oder den materiellen Dingen, die letztlich aus Naturstoffen stammen. Nur wenn soziale, ökonomische, ökologische und kulturelle Aspekte im Zusammenhang betrachtet werden, wird es möglich, die Auswirkungen des eigenen Handelns kritisch zu reflektieren und die eigene Rolle in der „Weltgesellschaft“ zu sehen. Vernetztes Denken und die Fähigkeit zu interdisziplinären Herangehensweisen an Problemlagen sind wichtige Komponenten der Gestaltungskompetenz, welche als übergeordnetes Ziel einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung angesehen wird. Daher wurde hier das Ziel gesetzt, bei der Zusammenstellung von Materialien für das Busprojekt ebenfalls Möglichkeiten zu Vernetzung verschiedener Problemfelder aufzuzeigen. In Bildungsprozessen sollten solche Fragen eine herausragende Rolle spielen, die die Grundlagen unserer Existenz betreffen und an denen mitzuwirken aller Aufgabe ist. Busfahren ist ein Bestandteil von Mobilität – ein Feld, in dem viele zukunftsbedeutsame Entscheidungen fallen. Dazu gehören soziale Fragen nach Zugang aller Menschen zu räumlicher und sozialer Mobilität, d.h. Beteiligung an einem befriedigendem Zusammenleben, Zugang zu Arbeit, Kultur oder Natur. Dazu gehört auch die Frage, ob es gelingt, Mobilität so zu gestalten, dass sie in Übereinstimmung mit den Erfordernissen des Ökosystems Erde steht, ebenso wie die Frage, wie man ein ökonomisch stabiles Verkehrssystem aufbauen kann. Da die Lebenswelt der Kinder Ausgangspunkt für Lernprozesse sein sollte, bietet das Busprojekt über die Bewältigung notwendiger auf Organisation, Sicherheit und Wohlbefinden aller Beteiligten gerichtete Maßnahmen die Chance, aktuelle und bedeutsame Themenstellungen auch im Unterricht oder durch besondere Projekte aufzugreifen. Um der Sache und den beteiligten Personen und Institutionen gerecht zu werden, kann dies nur in Kooperation auch mit Eltern und mit anderen im Gemeinwesen geschehen. Kinder sollen lernen, Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen und verstehen, dass sie selbst Möglichkeiten haben, die Zukunft nachhaltig und aktiv mit zu gestalten. Sie können ihren eigenen Beitrag zu einer gerechten und umweltverträglichen Entwicklung der Weltgesellschaft leisten, indem sie beispielsweise an politischen Entscheidungen im lokalen Bereich teilhaben, die Fähigkeit zu Solidarität und Gemeinschaft entwickeln und lernen, sich und andere motivieren zu können, vorausschauend zu denken und in Alternativen zu handeln. Gerade im Zusammenhang mit der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel wie dem Bus stehen hier viele Möglichkeiten offen. Anknüpfen an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen heißt auch, deren Interessen, Einstellungen, Problemsichten und Verhaltensweisen ernst zu nehmen. Aktuelle Anlässe können Anstöße für Bildungsprozesse sein. Dazu gehören zum Beispiel Konfliktsituationen beim Busfahren, soziale Konflikte und Ängste, Fragen an Umweltwirkungen oder die Tatsache, dass Kinder sich durch Autos häufig gefährdet fühlen. Auch dass Jugendliche es als individuelle Selbstverwirklichung begreifen, allein mit dem Auto fahren zu können, ist eine Frage, die Busprojekte zu wichtigen Bildungsanlässen machen kann. Das hat auch den Nebeneffekt, dass der von vielen als Zwang empfundene Schulbus in weitere Lebenszusammenhänge gestellt wird. Diesen positiven Effekt kann man noch verstärken, wenn in das Busprojekt richtige Gestaltungsmöglichkeiten einbezogen werden: durch die Beteiligung von Kindern an der Organisation, an der Gestaltung von Haltestellen, durch Übernahme konkreter Verantwortung, durch die kreative Entwicklung von Alternativen zu Vorschlägen der beteiligten Erwachsenen. Mit diesem Konzept werden verschiedene Gestaltungsfelder angesprochen, deren Aspekte durch unterschiedliche größere und kleinere Projekte, Arbeitsmaterialien, etc. bearbeitet werden können. Die Schule bzw. die Lehrkraft hat also die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Themenschwerpunkten und „Bausteinen“ auszuwählen und dabei die aktuelle Situation der Gruppe der Fahrschülerinnen und Fahrschüler bzw. der Klasse und das lokale Umfeld zu berücksichtigen. Denn schließlich sind die Herausforderungen, die sich beispielsweise Schülern auf dem Land oder in der Stadt in Bezug auf den öffentlichen Nahverkehr stellen, oft verschieden. Die Anregungen sind für die Arbeit mit Schülergruppen resp. für Klassen-Unterricht in verschiedenen Fächern geeignet. Um ein „Bus-Projekt“ ins Leben zu rufen, müssen nicht alle angegebenen Projektbausteine aufgegriffen werden; allerdings gibt es einige Schwerpunkte, die dementsprechend vorkommen sollten. Bei der Zusammenstellung der praktischen Vorschläge wurde auch berücksichtigt, dass Kinder und Jugendliche auf verschiedenen Wegen lernen, die in Gruppen von Kindern miteinander kombiniert vorkommen sollten:
[1] Bildung für eine nachhaltige Entwicklung ist von den Vereinten Nationen weltweit als Aufgabe für alle Bildungseinrichtungen formuliert worden. Sie hat dazu die Jahre 2005-2014 zur „Weltdekade Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ erklärt und die UNESCO beauftragt, mithilfe vieler Aktionen deutlich zu machen, was dieses Konzept beinhaltet und warum es Voraussetzung ist, um die Welt so mitzugestalten, dass auch künftige Generationen noch eine lebenswerte Welt vorfinden. |
