Reifengeräusch und Fahrbahnlärm
Rollgeräusche von Fahrzeugen stellen seit Jahrhunderten eine erhebliche Belastung für den Menschen dar. Durch Maßnahmen am Material, Konstruktion, Kontur und vor allem am Profil des Reifens konnten in den vergangenen Jahrzehnten deutliche Minderungen der Geräuschemissionen von Kraftfahrzeugen erreicht werden: Heute dürfen sechs moderne Pkw zusammen nur den Schallpegel eines einzelnen Pkw von 1980 erzeugen und 13 moderne Nutzfahrzeuge nicht lauter sein als ein Nutzfahrzeug des Baujahrs 1980. Die Anteile von Antriebs- und Reifen-Fahrbahngeräuschen betragen im Stadtverkehr jeweils ca. 50 Prozent. Verkehrsgeräusche haben die unterschiedlichsten Ursachen: Motor, Antriebsstrang, das Abrollgeräusch der Reifen auf der Fahrbahn und Windgeräusche der Karosserie – erst das Zusammenspiel aller Faktoren ergibt den eigentlichen Verkehrslärm. Je nach Geschwindigkeit überwiegt mal die eine, mal die andere Geräuschquelle. Gerade in Städten und Wohngebieten wird der Verkehrslärm von Anfahrvorgängen dominiert, die bei geringer Geschwindigkeit vom Antrieb, oberhalb etwa 50 km/h vom Reifen-Fahrbahngeräusch bestimmt werden. Wenn man den Verkehrslärm weiter senken will, muss ein ganzheitlicher Ansatz gefunden werden. Weitere Fortschritte bei der Verringerung des Verkehrslärms in Städten und Wohngebieten sind demnach nur durch gemeinsame Anstrengungen der Fahrzeugindustrie, von Straßenbauern und Stadtplanern möglich – die Maßnahmen am Reifen allein sind nach gegenwärtigem Stand der Technik nahezu ausgereizt, zusätzliche Geräuschreduzierungen erfordern intensive Grundlagenarbeiten. Um das Reifen-Fahrbahngeräusch weiter deutlich senken zu können, müsste – nach heutigem Stand der Technik – auf sicherheitsrelevante Eigenschaften der Reifen zumindest teilweise verzichtet werden. Der Markt verlangt von modernen Reifen jedoch ein ausgewogenes Eigenschaftsspektrum. Hierbei gilt es Zielkonflikte zwischen Fahrsicherheit, Langlebigkeit und Umweltaspekten zu lösen. Um kontinuierliche Verbesserungen darzustellen, sind intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeiten nötig. Dafür investiert Continental seit Jahrzehnten erheblich in moderne Versuchs- und Simulationsmethoden im hauseigenen Versuchsgelände, dem Contidrom, und Akustikzentrum.
In gemeinsamen Forschungsprojekten erarbeiten Continental, die Bundesanstalt für Straßenwesen, Straßenbau- und Baumaschinenhersteller, Universitäten und Automobilhersteller ein vertieftes Verständnis für die Mechanismen in der Kontaktzone zwischen Reifen und Fahrbahn. Drei wesentliche Ziele haben sich die Partner dabei gesteckt: Entwicklung eines Simulationswerkzeugs, das die Optimierung der Geräuscheigenschaften von Reifen und Fahrbahn bereits im Computer erlaubt, Entwicklung geräuschreduzierter Reifen und lärmarmer Fahrbahnbeläge. Der Konzern beteiligt sich national und im europäischen Verbund an Initiativen zur Minderung der Reifen- und Fahrbahngeräusche – unter anderem an dem EU-Forschungsprojekt „SILENCE“ und den bundesweiten Projekten „Leiser Verkehr“ und „Leiser Straßenverkehr“. |

